IBA_LOCAL N°2 2016

Unternehmerisches Engagement in der Stadt – Die zweite Veranstaltung der Reihe diskutierte Verantwortung und Förderinstrumente für nicht-staatliche Bildungseinrichtungen in Heidelberg

Wie können innovative Finanzierungskonzepte für die Realisierung von nicht-staatlichen Bildungsräumen aussehen? Was braucht es, um mit Startkapital auch langfristig arbeiten zu können? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des zweiten IBA_LOCAL, das am 22. September 2016 in den Räumen der Volksbank Kurpfalz in Kooperation mit der Heidelberger Volksbank in der Altstadt von Heidelberg stattfand. Zu der Veranstaltung mit Impulsvortrag, Bericht der IBA, Podiumsdiskussion und abschließendem Empfang kamen über 30 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Bürgerschaft.

„Durch die Investition in Steine und Menschen werden unternehmerisches Handeln und gemeinwohlorientierte Stadtteilentwicklung verbunden“, so das Resümee von Oliver Brügge, Geschäftsführer der Montag Stiftung Urbane Räume. In seinem Impulsvortrag „Initialkapital für eine chancengerechte Stadtteilentwicklung“ regte er Partnerschaften mit der Öffentlichen Hand und der Wirtschaft an, um vor allem die Zivilgesellschaft dabei zu unterstützen, ihre Stadt mitzugestalten. Die Stiftung investiert dazu Initialkapital an benachteiligten Standorten, um dem Stadtteil neue Impulse zu geben und die Chancengerechtigkeit vor Ort zu verbessern.

Die Aktivitäten und besonderen Herausforderungen der IBA Heidelberg stellte Prof. Michael Braum, geschäftsführender Direktor der IBA Heidelberg, in seinem Vortrag „Für Wissensorte der Zukunft – das ‚Initialkapital’ der IBA Heidelberg“ dar. „Die IBA Heidelberg verfügt über einen anspruchsvollen Auftrag. Die Stadt Heidelberg stellt ihr im Rahmen ihrer Zuwendungen auch Initialkapital für die IBA_KANDIDATEN zur Verfügung. Das ist alles andere als selbstverständlich und muss ausdrücklich gewürdigt werden. In erster Linie ist ‚unser Kapital’ jedoch ein immaterielles, mit dem Ziel materielles zu generieren. Es macht sich fest an unserer Funktion als Qualifizierungsagentur, unserem Selbstverständnis als Ideengeberin und nicht zuletzt in unserer Funktion als Unterstützerin in der Beschaffung von Geldern.“

Im von Carl Zillich, Kuratorischer Leiter der IBA Heidelberg, moderierten Podiumsgespräch diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Stadtgesellschaft im Anschluss, wie und mit welchen Mitteln privatwirtschaftliche Verantwortung für nicht-staatliche Bildungsräume übernommen werden sollte.

Dabei hob Stefan Baumann, Mitglied des Vorstands der Heidelberger Volksbank, die facettenreiche „Hilfe zur Selbsthilfe“ hervor, die die Volksbanken im Rahmen ihres genossenschaftlichen Förderauftrags leisten – von ehrenamtlichem Engagement der Mitarbeiter über Sonderkonditionen und Spenden/Sponsoring für Bildungseinrichtungen bis hin zum millionenschweren unternehmerischen Risiko im Rahmen des Bündnis für Konversion im Mark Twain Village, um dort ein sozial durchmischtes Quartier entstehen zu lassen.

Dr. Monika Meißner, SPD, Stadträtin und Mitglied des Aufsichtsrats der IBA Heidelberg, betonte, wie die Stadt mit ihren Bürgerhäusern und der Förderung des Ehrenamtes sich bereits engagiert. Vorstellen könne sie sich aber eine noch bessere Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure bei zukunftsweisenden Bildungsräumen.

Der Soziologe Dr. Steffen Sigmund, Vorstand der Bürgerstiftung Heidelberg, zu deren Unterstützern auch die Volksbank gehört, stimmte ihr zu und verwies auf die wachsende Verantwortung der Gesellschaft, die die Stiftung versucht zu aktivieren: „Bildung und Partizipation benötigen zusätzliches privates und privatwirtschaftliches Engagement, damit wir die offenen Zukunftsfragen einer Stadt gemeinsam lösen können.“

Hendrikje Lorenz, Geschäftsführerin der WERKstattSCHULE e. V. Heidelberg / IBA_PROJEKT exPRO3, erinnerte daran, dass private Bildungseinrichtungen wie die praxisorientierte WERKstattSCHULE wichtige Bildungslücken bereits erfolgreich schlössen, nur mit starken Partnern bei der Akquisition um Drittmittel erfolgreich sein können und dabei das Engagement der Wirtschaft benötigen. Oliver Brügge, Geschäftsführer der Montag Stiftung Urbane Räume, gab als Anregung den Initialkapital-Ansatz der Stiftung mit auf den Weg: „Der Schlüssel für sich selbst tragende Projekte sind kooperativ finanzierte und gemeinsam aufgebaute Strukturen, die von bürgerschaftlichen Initiativen oder institutionellen Einrichtungen übernommen und eigenständig weitergeführt werden können“ – wie das Pilotprojekt der Stiftung im Krefelder Samtweberviertel bisher zeigt.In der weiteren Diskussion wurde das ehemalige und denkmalgeschützte Bahnbetriebswerk in der Bahnstadt thematisiert und als einer der Heidelberger Orte identifiziert, die ein der Samtweberei vergleichbares akteursübergreifendes Projekt nötig hätte.

Mit freundlicher Unterstützung von HeidelbergCement.