Szenario 3 | Lernräume + Wohnen

Lernräume als Motoren der Quartiersentwicklung

Wissen tritt – selbst in einer Universitätsstadt – nicht nur über akademische Institutionen in Erscheinung: Wo findet Lernen im urbanen Kontext statt? Wie müssen Lernorte entworfen werden, um einer zeitgemäßen Pädagogik zu genügen? Wie kann die Beteiligung der verschiedenen zukünftigen Akteure mit in die Planung und Entwicklung des PHV eingebunden werden? Und wie können offene Räume in Gebäuden und im Freiraum geschaffen werden, die Lern- und Bildungsprozesse auf dem PHV begünstigen?

Das Szenario 3 zum Thema Lernräume erarbeitet Markus Neppl mit dem Kölner Büro ASTOC. Markus Neppl ist freischaffender Architekt und Professor für Stadtquartiersplanung und Entwerfen am Karlsruher Institut für Technologie. Er studierte Architektur an der RWTH Aachen und schloss sein Diplom 1990 mit Auszeichnung ab. anschließend gründete er zusammen mit Kees Christiaanse, Peter Berner und Oliver Hall ASTOC Architects & Planners in Köln. Ab 1999 war Neppl Professor für Städtebau und Entwerfen an der Universität Kaiserslautern mit weiteren Lehraufträgen an der FH Köln und der FH Bochum. Mit seinem Büro ASTOC plant und realisiert Markus Neppl zahlreiche internationale Städtebau- und Architekturprojekte von Brasilien über Serbien bis China. Ein Projekt aus seinem Bildungsportfolio: Die städtebauliche Untersuchung zu Expansions- potenzialen der Universität Köln, die die universitäre und bauliche Entwicklung im Einklang mit der Stadtentwicklung und den stadtpolitischen Zielen der Stadt Köln ermöglichte.

Kern der Transformationsstrategie von ASTOC ist die reflektierte Auseinandersetzung mit der Historie des Ortes, in einem Verständnis, das das Vorgefundene und das zu Entwerfende als Kontinuum oder besser als kontinuierliche Transformation und nicht als Widerspruch bzw. als das abrupte Ersetzen des Alten durch das Neue versteht. Diese Transformationsstrategie erfolgt in der Verknüpfung einer gesellschaftlichen mit einer städtebaulich architektonischen Zukunftsprojektion. Im Kontext der gesellschaftlichen Projektion heißt das den prototypischen Entwurf eines Quartiers der Wissensstadt von Morgen, das die Synergien von Bildung, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft als Motoren der Quartiersentwicklung nutzt. Im Kontext der städtebaulich architektonischen Vision heißt es identitätsprägende Elemente im städtebaulichen wie architektonischen Maßstab im Sinne von „Erinnerungsräumen“ in den Entwurf des Neuen zu integrieren. Das städtebauliche Dilemma der Hochspannungstrasse bleibt im Rahmen des Szenarios ausgeblendet.

Der Fokus liegt auf dem Lernen in der Anwendung. Die Insellage des Quartiers wird dazu genutzt, um prototypische Lösungen auf Quartiersebene zu erproben (z.B. Smartgrid, Energieautarkie, Selbstversorgung, Car Sharing, E-Mobility, Drohnen & Roboter-Lieferung, Sharing Economy, Gesundheit & Bewegung, etc.). Bildungs- und Lernräume mit polyvalenten baulich-räumlichen Strukturen bilden die Kristallisationspunkte der Quartiersentwicklung. Sie prägen als programmatische „next practice“ die beiden Quartierszentren, beispielsweise als internationale Schule mit integrierten Nutzungen aus Nachbarschaft, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft. Ergänzt werden diese durch sog. „dezentrale Mitten“, in denen aneignungsfähige öffentliche Räume oder niederschwellige Angebote zum Beispiel im Zusammenhang mit Kitas vorgesehen sind. Gemeinsam bilden die Mitten mit den beiden Zentren ein kleinräumiges Netzwerk von Orten der kulturellen Bildung unterschiedlichster Provenienzen aus, die die Atmosphäre des Quartiers prägen werden.

Die das Konzept strukturell prägende „flexible Fusionszone“ versteht sich als Stadtlabor für innovative Raumkonzepte, Funktionsmischungen, Technologien, Visionen und Organisations- formen. Es vermittelt städtebaulich zwischen den Großstrukturen der Wirtschaft und Wissenschaft sowie den kleinteiligeren Strukturen des durchmischten Wohnens und der kleinräumigeren sozialen Infrastrukturen. Der Experimentierraum zeichnet sich durch Multitalentiertheit, Polyvalenz und Offenheit aus. Die Gebäudestrukturen öffnen sich zum öffentlichen Raum und verzahnen sich mit den umgebenden Nutzungen.

Es soll nicht weniger als ein Musterquartier der „Wissensstadt von Morgen“ entstehen. Dazu gehören neben einem diversifizierten Angebot an Wohnungen und den dafür erforderlichen komplementären sozialen Infrastrukturen Flächenangebote für die Wissenschaften und die Wirtschaft. Entsprechend der gesamtstädtischen Vorüberlegungen sollen ca. 50% des Quartiers für derartige Einrichtungen mit einem Angebot von 4.000 bis 5.000 Arbeitsplätzen erschlossen werden. Entsprechend dem Handlungsprogramm Wohnen sind darüberhinaus Wohnungen für mindestens 5.000 bis 6.000 Einwohner vorzusehen.